01.04.2019
ID: 2304

BionicFinWave: Unterwasserroboter mit einzigartigem Flossenantrieb

Autonomes Navigieren durch ein mit Wasser gefülltes Rohrsystem

Die Natur lehrt uns eindrucksvoll, wie die optimalen Antriebssysteme für bestimmte Schwimmbewegungen aussehen. Für den BionicFinWave, den Festo auf der Achema 2018 erstmals präsentiert, hat sich das Bionik-Team von der undulierenden Flossenbewegung inspirieren lassen, die unter anderem vom freilebenden Meeresstrudelwurm oder dem Sepia genutzt wird. Mit dieser Antriebsform manövriert sich der Unterwasserroboter selbstständig durch ein Rohrsystem aus Acrylglas. Das Projekt gibt Impulse zur künftigen Arbeit mit autonomen Robotern in der Prozessindustrie.

Mit dem bionischen Technologieträger setzt Festo einmal mehr einen Impuls für die zukünftige Arbeit mit autonomen Robotern und neuen Antriebstechnologien im Einsatz in flüssigen Medien. Denkbar wäre es, Konzepte wie den BionicFinWave für Aufgaben wie Inspektionen, Messreihen oder Datensammlungen weiterzuentwickeln – etwa für die Wasser- und Abwassertechnik oder andere Gebiete der Prozessindustrie. Zudem lassen sich die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse für die Herstellungsverfahren von Softrobotik-Komponenten nutzen.

 

Schwimmen wie das natürliche Vorbild

Die Längsflossen von Meeresstrudelwurm und Sepia verlaufen von Kopf bis Schwanz, entweder am Rücken, am Bauch oder an beiden Seiten des Körpers. Um sich fortzubewegen, erzeugen die Fische mit den Flossen eine durchgängige Welle, die sich entlang ihrer gesamten Länge voranschiebt. Diese so genannte Undulation drückt das Wasser nach hinten, wodurch ein Vorwärtsschub entsteht. Mit diesem Prinzip manövriert sich auch der BionicFinWave vorwärts oder rückwärts.

 

Damit konnte Festo einen Flossenantrieb technisch umsetzen, der sich besonders für eine langsame und präzise Fortbewegung eignet und Wasser weniger aufwirbelt als beispielsweise ein konventioneller Schraubenantrieb. Während er durch das Rohrsystem schwimmt, kann der autonome Unterwasserroboter über Funk mit der Außenwelt kommunizieren und Daten – wie die erfassten Sensorwerte für Temperatur und Druck – an ein Tablet übertragen.

 

Flexible Silikonflossen aus einem Guss

Die beiden Seitenflossen des 370 mm langen BionicFinWave sind komplett aus Silikon gegossen und kommen ohne Verstrebungen oder andere Stützelemente aus. Dadurch sind sie äußerst nachgiebig und können so die flüssigen Wellenbewegungen der biologischen Vorbilder naturgetreu umsetzen. Für die Bewegung sind die beiden Flossen links und rechts jeweils an neun kleinen Hebelarmen befestigt, die einen Ausschlagwinkel von 45° haben. Sie werden von zwei Servomotoren angetrieben, die im Körper des Unterwasserroboters sitzen. Zwei anliegende Kurbelwellen übertragen die Kraft auf die Hebel, sodass sich die beiden Flossen individuell bewegen lassen. Dadurch können sie unterschiedliche Wellenmuster generieren. Um eine Kurven zu schwimmen, bewegt sich beispielsweise die äußere Flosse schneller als die innere – vergleichbar mit den Ketten eines Baggers.

 

Nach oben oder unten schwimmt der BionicFinWave, indem er seinen Körper in die gewünschte Richtung biegt. Damit die Kurbelwellen entsprechend flexibel sind, sitzt zwischen jedem Hebelsegment ein Kardangelenk. Die Kurbelwellen wurden inklusive der Gelenke und dem Pleuel aus Kunststoff in einem Stück mit 3D-Druck-Verfahren gefertigt. 

 

Optimal ausgelegter Körper mit integrierter Bordelektronik

Auch die restlichen Körperelemente des 430 g leichten BionicFinWave sind 3D-gedruckt, was ihre komplexen Geometrien erst ermöglicht. Mit ihren Hohlräumen fungieren sie als Auftriebskörper. Gleichzeitig ist hier auf engstem Raum die gesamte Steuerungs- und Regelungstechnik wasserdicht und sicher verbaut. Ein Drucksensor sowie Ultraschallsensoren messen permanent die Abstände zu den Wänden sowie die Tiefenposition im Wasser und vermeiden so Kollisionen mit dem Rohrsystem. Voraussetzung für dieses autonome und sichere Navigieren war die Entwicklung von kleinen, leistungsfähigen sowie wasserdichten bzw. -unempfindlichen Komponenten, die mit der entsprechenden Software koordiniert und geregelt werden können.

Festo ist gleichzeitig Global Player und unabhängiges Familienunternehmen mit Sitz in Esslingen am Neckar. In der industriellen Automatisierungstechnik und technischen Bildung setzt Festo seit seinen Anfängen Maßstäbe und leistet damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Unternehmen liefert pneumatische und elektrische Automatisierungstechnik für 300.000 Kunden der Fabrik- und Prozessautomatisierung in über 35 Branchen. Wachsende Bedeutung erhalten Bereiche wie Digitalisierung, KI sowie LifeTech mit Medizintechnik- und Laborautomation. Produkte und Services sind in 176 Ländern der Erde erhältlich. Weltweit rund 20.600 Mitarbeitende in rund 60 Ländern mit über 250 Niederlassungen erwirtschafteten 2023 einen Umsatz von ca. 3,65 Mrd. €. Davon werden jährlich rund 7 % in Forschung und Entwicklung investiert. Im Lernunternehmen beträgt der Anteil der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen 1,5 % vom Umsatz. Festo Didactic SE ist führender Anbieter in technischer Aus- und Weiterbildung und bietet seinen Kunden weltweit umfassende digitale und physische Lernlösungen im industriellen Umfeld an.

© Festo SE & Co. KG
BionicFinWave
Der Unterwasserroboter BionicFinWave manövriert sich selbstständig durch ein Rohrsystem aus Acrylglas.
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BionicFinWave
Die Seitenflossen des BionicFinWave sind aus Silikon gegossen und kommen ohne Verstrebungen und Stützelemente aus.

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